Whisky-Vorstellung: Tomatin 1988, Malts of Scotland, 53,7%vol.

Tomatin 1988 (Malts of Scotland)
Tomatin 1988 (Malts of Scotland)

Mit manchen Whiskies ist es einfach unglaublich: Die ersten Aromen steigen in die Nase und ich bin vom ersten Augenblick an absolut begeistert und freue mich darauf, den Whisky intensiver zu entdecken. So ging es mir, als ich Anfang des Jahres bei Andreas Hertl (Scotch Broth Whisky) an einem Tasting zu unabhängigen Abfüllern teilnahm und das erste Mal den Tomatin 1988 von Malts of Scotland im Glas hatte. Thomas Ewers, Gründer und Eigentümer von Malts of Scotland, hat mit diesem 25-jährigen Single Malt aus den schottischen Highlands einen absoluten Volltreffer gelandet – zumindest für meinen Geschmack. 265 Flaschen wurden im Juni 2014 aus dem Refill Sherry Hogshead abgefüllt, die im Fachhandel knapp 140 Euro kosten.Bereits beim ersten Blick auf das eingeschenkte Glas sieht man dem Single Malt an, dass er in einem Refill-Fass reifen durfte. Wie heller Bernstein schimmert der Tomatin 1988 im Licht und zieht seine Schlieren am Glas herunter. In der Nase ist der Sherryeinfluss zwar spürbar, aber nicht mit der Dominanz, den er aus einem frischeren Sherryfass mitbringen würde. Ein Fruchtcocktail aus Trockenobst, Pflaumen und geriebenen Orangenschalen prägen das erste Aroma. Dahinter kommen allmählich Noten von Shortbread oder mit Zimt und Zucker besträutem Gebäck. Wenn ein Whisky so lange im Fass reifen durfte, sollte man ihm auch beim Genießen Zeit geben. Bei diesem Single Malt lohnt sich das allemal. Im Zusammenspiel mit dem Sauerstoff entwickeln sich im Glas süßlich-herbe Aromen wie von Malzbonbons, getrockneten Kräutern und im Hintergrund einer feinen Vanillenote.

Im Mund scheint der Tomatin 1988 wie ein Sahnekaramellbonbon zu zerschmelzen. Im ersten Moment habe ich einen trockenfruchtigen Sherry am Gaumen mit einer leichten Schärfe wie von kandiertem Ingwer. Die 53,7%vol. sind wunderbar eingebunden und verlangen für meinen Geschmack nicht danach, den Whisky mit Wasser zu verdünnen. Karamellnoten wie von frischem Fudge treten in den Vordergrund, bevor sich auch im Mund ein mit zartbitterer Schokolade überzogener Fruchtcocktail durchsetzt. Für mich sind dabei Trockenobst, Pflaumen und Mango vorherrschend.

Der Abgang des Tomatin 1988 ist lang, wärmend und trocken. Keine Holzigkeit, keine bitteren Geschmacksnoten, sondern eine angenehme würzige Trockenheit. Ein sehr gelungener und komplexer Single Malt und genau das Richtige für vorweihnachtliche Kaminabende.

Patrick

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