Whisky-Vorstellung: GlenDronach 12, Originalabfüllung, 43%vol.

GlenDronach 12 (Originalabfüllung)
GlenDronach 12 (Originalabfüllung)

Draußen vor dem Fenster ist es stürmisch und ungemütlich. Der Wind pfeift um das Haus und peitscht den Regen gegen die Scheibe. Nebel steigt aus dem Tal auf und hüllt den Wald in ein verwunschenes Licht.

Das ist genau die richtige Stimmung für einen sherrytönigen Single Malt wie den GlenDronach 12 Original. Denn dieser Whisky aus der Speyside, dem Herzen der schottischen Whiskyproduktion, bekam durch seine zwölf Jahre in Pedro Ximénez- und Oloroso-Sherryfässern eine dunkel-fruchtige Tiefe, mit der man sich wunderbar die kalte Jahreszeit versüßen kann.

Die ausschließliche Reifung in Sherryfässern hat sich auch in der Farbe niedergeschlagen. In kräftigen Kupfertönen schimmert der Single Malt im Glas, je nach Lichteinfall auch mit einem samitgen Glanz wie poliertes Mahagoniholz. Das Schöne daran ist, dass die Farbe absolut natürlich zustande kam, ganz ohne zusätzliche Färbung mit Zuckerkulör. Auch die 43%vol. und der Verzicht auf eine Kühlfiltration heben den GlenDronach 12 Original von vielen Standardabfüllungen anderer Destillerien ab.

Bisher war der zwölfjährige Single Malt der Einstieg in die Originalabfüllungen der GlenDronach Distillery, die seit 2008 zu BenRiach gehört. In diesem Jahr stellte die Brennerei einen neuen Whisky vor, den achtjährigen The Hielan, der nun nicht mehr nur in Sherry-, sondern auch in Bourbonfässern reifte. Preislich liegt dieser Whisky nur ein paar Euro unter dem zwölfjährigen. Beide haben sich im Augenblick in einem Preisbereich zwischen 30 und 40 Euro eingependelt.

Beim ersten Riechen zeigt sich der GlenDronach 12 von seiner betörend süßen Seite. Hier haben eindeutig die PX-Sherryfässer ihre Spuren hinterlassen. Rosinen, getrocknete Pflaumen und dunkle Marmelade sind die ersten Assoziationen. Darunter legt sich eine angenehm kräftige Würze, wie sie häufig in einem sherrygereiften Whisky zu finden ist. Mit der Zeit entdecke ich auch Malz- und Kräuteraromen.

Der erste Antritt im Mund ist geschmeidig, mit kräftigen Sherrynoten. Ein Geschmack wie von getrockneten Beeren, Sirup und in Rum getränkten Rosinen. Dahinter zeigt sich sofort eine Würze, die mich weniger an Pfeffer als an kandierten Ingwer erinnert. Sie ist nicht aufdringlich, sondern trägt die Trockenfrucht- und Marmeladennoten, die eindeutig im Vordergrund stehen. Ein nussiger Geschmack, wie von gehackten Mandeln legt sich auf die Zunge. Allmählich kommen setzen sich auch Gewürznoten durch, die mich an Pfefferkuchen und ein wenig an Kräuterbonbons erinnern.

Der Abgang ist wärmend und mittellang. Noch einmal zeigen sich die Fruchtnoten, der kandierte Ingwer und die gehackten Mandeln. Eine leichte Trockenheit bleibt auf den Wangen, mit der sich die Kombination aus Pedro Ximénez- und Oloroso-Sherryfässern als wirklich gelungen erweist.

Wer sich für sherrylastige Whiskies begeistern kann, sollte den GlenDronach 12 auf jeden Fall einmal probiert haben. Besonders wenn man das Preisleistungsverhältnis bedenkt, denn das ist einfach sagenhaft. Hier bekommt man einen Single Malt, der zu hundert Prozent in Sherryfässern reifte, der ungeschminkt daherkommt und handwerklich wirklich gut gemacht ist.

Patrick

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