Portrait: Bernhard Schäfer (Nürnberger Whiskyexperte und Master of the Quaich)

Der Nürnberger Whiskyexperte Bernhard Schäfer schätzt vor allem rauchige Islay-Whiskies.
Der Nürnberger Whiskyexperte Bernhard Schäfer schätzt vor allem rauchige Islay-Whiskies.

Die Ikea-Regale in der Nürnberger Altbauwohnung biegen sich unter den Flaschen. Auf dem Parkett türmen sich Whiskytuben. An der Wand hängen Urkunden der Keepers of the Quaich. Bernhard Schäfers Wohnzimmer wirkt beinahe wie ein Whisky-Museum. Eine große Sammlung an Spirituosenflaschen hat der Nürnberger dort zusammengetragen. Neben Whiskies sind auch einige Gins und Rums vertreten.

Schäfer sitzt auf seinem Sofa und stopft sich eine Pfeife. Er ist ein renommierter Experten für Whisky und andere Spirituosen. Als professioneller Verkoster, Referent bei Whisky-Seminaren, Whisky-Autor und als Vorstand des Highland Circle, dem ältesten Whisky-Club Deutschlands, hat sich der Fünfzigjährige ganz dem hochprozentigen Spirit verschrieben.

Mit sechzehn begann Schäfer, sich für Whisky zu interessieren. Damals probierte er im mittlerweile geschlossenen Starclub am Vestnertorgraben einen Royal Lochnagar. Später tauchte er als Barkeeper und Geschäftsführer des Freudenparks immer tiefer ins Whiskythema ein und knüpfte früh Kontakte zu Persönlichkeiten aus dem Whiskybusiness. In dieser Zeit entstanden Beziehungen zu John Grant, dem Eigentümer von Glenfarclas, oder zum Londoner Whiskyhändler Wallace Milroy, aus dessen Feder der wegweisende Malt Whisky Almanach stammt.

International gefragter Experte

Inzwischen ist Bernhard Schäfers Einschätzung bei internationalen Verkostungen gefragt. „Das ist schon manchmal großes Kino, wenn Du bei der Wine and Spirit Competition in einem Verkostungsraum sitzt und da ist der David Stuart von Balvenie, Bill Lumbsden (Glenmorangie, Anm. P.G.), Jim Beveridge (Masterblender bei Diageo, Anm. P.G.), gegenüber sitzt Richard Paterson (Whyte and Mackay, Anm. P.G.), daneben sitzt der Jim McEwan (ehemaliger Brennmeister bei Bruichladdich, Anm. P.G.). Und dazwischen der Schäfer.“

Die Verkostung von Spirituosen ist für den Nürnberger eine seriöse und anstrengende Arbeit, die Ernsthaftigkeit, Konzentration und Professionalität verlangt. Dass er mit seiner Meinung beim ein oder anderen aneckt, ist Schäfer egal. Immer wieder entdeckt er beim Verkosten aber auch überraschende Highlights: „Manchmal hast du ein Produkt, bei dem du sagst: Boa, ist das geil! Da musst du dich dann schon fast zwingen, das wieder auszuspucken. Aber dann stelle ich mir auch mal ein Glas beiseite und trinke später noch einen Schluck.“ Ein Whisky, der beim Nürnberger Whiskyexperten für eine solche Begeisterung sorgt, ist der 21-jährige Lagavulin von 2007. „Einer meiner absoluten Highlights“, schwärmt Schäfer und zieht an seiner Pfeife. „Ein supergeiles Zeug! Also, ich bin prinzipiell ein Freund von rauchigen Whiskies. Die ganzen Sherry-Whiskies mag ich mittlerweile auch, aber vor 15 Jahren hast du mich damit jagen können. Ich bin zum Beispiel auch ein großer Fan von Laphroaig.“

Fränkischer Club im eigenen Schotten-Karo

Die Leidenschaft für rauchige Islay-Whiskies teilt Schäfer auch mit vielen seiner Club-Freunde. Im November 1990 gründete er zusammen mit Oliver Kirschner, dem Inhaber und Barchef des Gelben Haus „The Most Venerable Order of the Highland Circle“. 60 Mitglieder zählen inzwischen zum Highland Circle. Im November 2015 feierte der Verein sein 25-jähriges Bestehen mit einer eigenen Abfüllung: einem 25-jährigen Laphroaig des unabhängigen Abfüllers Malts of Scotland.

Ein großes Projekt war der eigene Club-Kilt. Dafür mussten die Nürnberger Whiskyliebhaber ein eigenes Karomuster entwerfen und bei der Scottish Tartans Society beantragen und eintragen lassen. Seitdem gibt es den Franconian Tartan. Und jetzt steht eine neue Herausforderung an: Der Highland Circle schafft sich ein eigenen Vereinsheims mit Club-Lounge und Tasting-Room in der Nürnberger Innenstadt. Vielleicht wird ja dann auch bald das clubeigene Port Charlotte-Fass abgefüllt, das seit etwa zwölf Jahren in Schottland lagert.

Ein Reisebus voll Torf-Malz

Ein besonderes Highlight des Clubs sind für Bernhard Schäfer nach wie vor die gemeinsamen Reisen. Manchmal kommt der Trupp auch mit einem ganz besonderen Mitbringsel nach Franken zurück. Wie vor knapp zehn Jahren, als sie Säcke mit getorftem Malz der schottischen Mälzerei Crisp Maltings in den Gepäckraum und auf die Sitze ihres Reisebusses schlichteten. „Das haben sich die Leute von der Mälzerei auch gemerkt. Da springen 30 verrückte Deutsche aus dem Bus, die Hälfte in Kilts, und laden den Bus mit Malzsäcken voll. Der Busfahrer ist auch wahnsinnig geworden“, lacht Schäfer.

Grund für das ungewöhnliche Souvenir war die Idee des Nürnbergers, von seinem Club-Kollegen Georg Rittmayer, Braumeister aus Hallerndorf, ein Torf-Rauchbier brauen zu lassen. Inzwischen hat das Smoky George, wie das Bier mit dem typisch phenoligen Aroma heißt, Kultstatus. Das Torfmalz stammt noch immer aus Schottland, auch wenn es inzwischen nichtmehr mit dem Reisebus und in viel größeren Mengen als damals nach Franken importiert wird. „Das Smoky-George ist großes Kino. Auf Islay ist keiner auf die Idee gekommen, weil das Rauchbier dort einfach keine Tradition ist. Also, mir schmeckt es total. Und ich sage zu den Leuten immer, wenn du so etwas wie Lagavulin magst, dann schmeckt dir das.“

Master of the Quaich

Gerade bei den Schottland- und Irland-Reisen des Highland Circles zahlen sich Schäfers Kontakte in der Whiskyindustrie aus. So organisiert er nach wie vor die Besichtigungstouren in Destillerien und macht für seine Club-Mitglieder so manchen Blick hinter die Kulissen der Brennereien möglich. Förderlich ist dabei auch, dass Bernhard Schäfer bereits seit 19 Jahren dem erlesenen Kreis der Keepers of the Quaich angehört. Seit neun Jahren ist er Master of the Quaich. Außer Bernhard Schäfer gibt es in Deutschland nur noch zwei andere Personen, die in diesen Status aufgestiegen sind.

Für seine Aufnahme zu den Keepers wurde Schäfer mit 31 Jahren von John Grant und Wallace Milroy vorgeschlagen. Voraussetzung war, dass er sich bereits zu diesem Zeitpunkt seit Jahren für die Verbreitung des schottischen Whiskies verdient gemacht hatte. Dafür wurde die Organisation auch in den 1980er Jahren gegründet. „Da waren die Schotten viel cleverer als die Cognacleute oder die Rumleute. Das haben die Schotten gut gemacht. Natürlich ist es eine Auszeichnung und in manchen Fällen öffnet es auch eine Tür – und genau dafür ist es auch gemacht worden.“

Billiger wird es nicht mehr

Was Whisky und andere Spirituosen anbelangt, ist Schäfer natürlich immer am Zahn der Zeit. Aktuelle Entwicklungen, wie den Trend zu Whiskies ohne Altersangabe, sogenannte „no age statement-Whiskies“, beobachtet er aufmerksam. Dabei zeigt sich wieder, dass sich Schäfer zu den Themen der Branche eine eigene und differenzierte Meinung bildet. „Das industrielle Argument ist ja immer: Es muss schmecken. Und das stimmt auch. Aber es gibt viele NAS-Whiskies, die schmecken nicht oder sind langweilig. Ich war jetzt überrascht vom Glenlivet Founder`s Reserve. Der ist fast wie der 12-Jährige. Also, das haben die super gemacht. Und trink mal einen NAS-Blend aus den 70er Jahren – da fällt dir nichts mehr dazu ein. Da lässt du das neue Zeug alles stehen.“

Bei einer Sache ist sich Bernhard Schäfer sicher: „Whisky wird nicht billiger. Er wird höchstens jünger.“ Und so fällt sein Tipp für Whiskyliebhaber ziemlich eindeutig aus: „Wenn du überlegst, kaufe ich mir die Flasche oder warte ich noch, dann kaufe sie dir gleich und ärgere dich, dass du sie nicht letztes Jahr gekauft hast.“

Patrick

4 Antworten auf „Portrait: Bernhard Schäfer (Nürnberger Whiskyexperte und Master of the Quaich)“

  1. Hab bei Lufthansa einen Bericht über Bernhard Schäfer gelesen…bin neugierig geworden!
    Bitte um Info ob und wann von Schäfer Seminare angeboten werden.

    Danke!!

  2. Sperbers Destillerie,
    wir produzieren seit 2000 Whisky.
    Wir haben eine Whiskylagerstätte die weltweit einzigartig ist.
    Der Lagerraum, ein Felsenkeller ca. 40 m tief, am Ende des Kellers entspringt eine Wasserquelle.
    In dem Keller haben wir ganzjährig eine Luftfeuchtigkeit von 95 % und eine Temperatur von 14 C°.
    Wir arbeiten schon seit Beginn mit der Whiskyexpertin Julia Nourney zusammen.
    Wenn Sie so ein toller Experte sind wie Sie angeben, würde mich Ihre Meinung zu unsere Whisky interessieren.

    1. Sperbers Destillerie,
      wir produzieren seit 2000 Whisky.
      Wir haben eine Whiskylagerstätte die weltweit einzigartig ist.
      Der Lagerraum, ein Felsenkeller ca. 40 m tief, am Ende des Kellers entspringt eine Wasserquelle.
      In dem Keller haben wir ganzjährig eine Luftfeuchtigkeit von 95 % und eine Temperatur von 14 C°.
      Wir arbeiten schon seit Beginn mit der Whiskyexpertin Julia Nourney zusammen.
      Wenn Sie so ein toller Experte sind wie Sie angeben, würde mich Ihre Meinung zu unsere Whisky interessieren.

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