Portrait: Tom Skowronek (Anam na h-Alba, unabhängiger Abfüller aus Oberhausen)

Tom Skowronek füllt die Seele Schottlands in Flaschen. Foto: (c) T. Skowronek
Tom Skowronek füllt die Seele Schottlands in Flaschen.
Foto: (c) T. Skowronek

Whisky ist eine Spirituose, die in ihrer Vielschichtigkeit und Komplexität beinahe etwas Magisches trägt. Deshalb schrieb der britische Schriftsteller Ivor Brown über das „Wasser des Lebens“: „Schottischer Whisky bewahrt ein Geheimnis, den Zauber seines Heimatortes“. Viele Whiskyliebhaber teilen diese poetische Umschreibung ihres Lieblingsgetränks. Für sie spiegeln sich in einem guten Glas Single Malt das Land und die Leute seiner Herkunft und der Zauber der langen Zeit, die diesen Whisky zu dem machten, was er ist.

Zu diesen Whiskygenießern gehört auch Tom Skowronek. Der Gründer und Eigentümer des Whiskylabels Anam na h-Alba hat deshalb seinen Firmennamen ganz bewusst gewählt: „Die Seele Schottlands“ bedeutet der gälische Ausspruch übersetzt. Dieser Name ist Programm oder besser gesagt: Er ist die Philosophie hinter den Single Malts, die der Rheinländer seit einigen Jahren abfüllt und mit denen er Liebhaber von Einzelfassabfüllungen regelmäßig begeistert. Denn Anam na h-Alba steht für Whiskys mit Charakter.

Über die Arbeitsagentur zum Whiskyabfüller

Dabei war der Beruf des unabhängigen Abfüllers nie das, was der Mann aus Oberhausen bewusst angestrebt hatte. Als studierter Stadt- und Verkehrsplaner, Versicherungsfachwirt und ehemaliger Betriebsrat hatte sein beruflicher Alltag lange Zeit nichts mit Whisky zu tun.

Was als Freizeitunternehmen begann, ist heute eine feste Größe in der deutschen Whiskyszene. Foto: (c) T. Skowronek
Was als Freizeitunternehmen begann, ist heute eine feste Größe in der deutschen Whiskyszene.
Foto: (c) T. Skowronek

Auch den Start in sein hochprozentiges Berufsleben beschreibt Skowronek eher als ungeplant: „Das kam ziemlich ungeplant und war auch nie beabsichtigt. Angefangen hat es mit privaten Fassteilungen in Whiskyforen. Ich habe dann in 2011 ein Nebengewerbe angemeldet, nur, um es bei der Einfuhr nach Deutschland leichter zu haben“, erklärt der Unternehmer. „Das Ganze wurde irgendwann ein Selbstläufer, ich hatte immer mehr Kontakte im Business, die Leute mochten die Abfüllungen und so begann ich, Abfüllungen auch gewerblich anzubieten.“

Der Handel mit eigenem Whisky war lange Zeit nicht mehr als ein Freizeitunternehmen. Erst als Skowronek 2012 seine Kündigung erhielt kam allmählich die Idee, aus Anam na h-Alba mehr zu machen, als ein Hobby. „Bei der Bundesagentur für Arbeit erzählte ich von meinem Nebengewerbe. Die fanden das so interessant, dass man mir schon vor der eigentlichen Arbeitslosigkeit ein Existenzgründerseminar anbot.“ 2013 folgte dann der endgültige Schritt in die Whiskyselbständigkeit. Seitdem ist der Oberhauser ausschließlich in Sachen „Wasser des Lebens“ unterwegs.

Ein Schottlandurlaub mit Folgen

Die Leidenschaft für Whisky war zu diesem Zeitpunkt aber schon viele Jahre zuvor bei Tom Skowronek geweckt worden. Bereits als 18-jähriger probierte er seine ersten Single Malts. Aber den damals verbreiteten Standardabfüllungen von Glenlivet, Glenfiddich und Glenmorangie konnte er wenig abgewinnen. Dafür entfachte der erste Schottlandurlaub die Liebe für das goldene Lebenswasser: „Damals besuchte ich Talisker und Highland Park. Diese Geschmackserlebnisse habe ich nie mehr vergessen und bin seither beim Whisky, speziell beim Single Malt, geblieben.“

Nach den ersten Fassteilungen eines 26-jährigen Benrinnes und eines 27-jährigen Coal Ila war es schließlich ein ebenfalls 27-jähriger Dailuaine aus dem Refill-Sherryfass, der als erstes unter dem eigenen Label abgefüllt wurde. Zu den ersten Abfüllungen gehörte auch ein Islay-Whisky, bei dem Anam na h-Alba zwar den Namen der Destillerie nicht nennen durfte, durch ein kreatives Wortspiel die Brennerei aber doch kenntlich macht: „Bunny from Heaven“ hieß dieser 20-jährige Single Malt aus dem firstfill-Sherrycask, der für den Abfüller selbst ein besonderes Highlight war.

Auf der Suche nach dem richtigen Fass

Gute Kontakte erleichtern den Kauf interessanter Fässer, z.B. der jungen Brennerei Wolfburn aus den Highlands. Foto: (c) T. Skowronek
Gute Kontakte erleichtern den Kauf interessanter Fässer, z.B. der jungen Brennerei Wolfburn aus den Highlands.
Foto: (c) T. Skowronek

Seitdem folgten über hundert weitere Whiskys, alles Einzelfassabfüllungen in Fassstärke, natürlich nicht kühlgefiltert und ohne den Zusatz von Farbstoffen. Ein echtes, unverändertes Naturprodukt eben.

Seine Fässer kauft Skowronek hauptsächlich über Whisky-Broker in Großbritannien oder Deutschland. Auch Fässer mit new make werden so erworben. Allerdings dient auch der Ankauf von Fässern aus Privatbesitzt als Quelle für Anam na h-Alba-Whiskys: „Mittlerweile häufen sich die Anfragen von Privatleuten, deren Fässer abfüllbereit sind. Diese haben in ihrer romantischen Sicht auf das Gefühl, ein ganzes Fass zu besitzen, ausgeblendet, dass sie auf etwa 300 Flaschen Whisky nach 10 Jahren sitzen bleiben. Wir machen diesen Leuten Angebote, ihre Fässer zu kaufen, so denn die Qualität stimmt.“

Daneben sind es gute Kontakte zu Brennereien, die für einen unabhängigen Abfüller unerlässlich sind. „Mit drei Destillerien habe ich vereinbart, meine eigenen Fässer dort hinbringen zu lassen, wo sie dann mit new make befüllt werden“, erzählt der Unternehmer.

Ein-Mann-Betrieb mit Teamgeist

Das Anam na h-Alba-Team: Christian Priess, Melanie und Tom Skowronek (v.l.). Foto: (c) T. Skowronek
Das Anam na h-Alba-Team: Christian Priess, Melanie und Tom Skowronek (v.l.).
Foto: (c) T. Skowronek

Mit seiner Leidenschaft hat Tom Skowronek auch seine Frau Melanie angesteckt, die  ihn wiederum bei Anam na h-Alba unterstützt. Obwohl das Whiskylabel nach wie vor ein Ein-Mann-Unternehmen ist. Melanie Skowronek bringt sich nebenberuflich ein und erledigt die Büroarbeit im Hintergrund. Allerdings ist auch ihre feine Nase bei Anam na h-Alba gefragt, mit der sie eine Vorauswahl der Whiskys trifft. „Beim Geschmack bin ich dann gefragt“, erklärt Tom Skowronek.

Zum Team gehört auch Christian Priess, Tom Skowroneks Freund, der eher durch Zufall zu Anam na h-Alba kam. Heute schreibt er Tastingnotes für das Whiskylabel und ist immer öfter auch als Verkäufer und auf Messen für den unabhängigen Abfüller tätig. Und auch beim Auswahlprozess für neue Whiskys spielt er eine wichtige Rolle, wie Tom Skowronek ausführt: „Chris bekommt in 95 Prozent der Fälle eine Gegenprobe und seine Meinung ist mir sehr wichtig. Die letzte Entscheidung aber treffe ich.“

Zwischen Messe und Whiskywohnzimmer

Bei der "Just Whisky Oberhausen" ist der Name Programm. Foto: (c) T. Skowronek
Bei der “Just Whisky Oberhausen” ist der Name Programm.
Foto: (c) T. Skowronek

Die eigenen Whiskys präsentiert das Team von Anam na h-Alba zum Beispiel auf der von Tom Skowronek initiierten Messe Just Whisky Oberhausen, die 2016 zum zweiten  Mal stattfindet. „Die JWO sollte einen Kontrapunkt setzen zu den immer größer werdenden anderen Messen, immer längeren Öffnungszeiten und immer mehr anderen Spirituosen auf diesen Messen. Wir werden klein bleiben und uns ausschließlich auf Whisky fokussieren“, beschreibt Tom Skowronek die Idee hinter der eigenen Messe.

In einer ehemaligen Zinkfabrik erwartet die Besucherinnen und Besucher der Oberhauser Messe ein Whisky-Party-Feeling mit ausgewählten Ausstellern. Bei der Premiere im Frühsommer 2015 konnten sich die über 600 Besucher an den Ständen der 15 Whiskyaussteller über das „Wasser des Lebens“ informieren und natürlich probieren. „Für dieses Jahr peilen wir die 1000-Besuchermarke an, werden aber maximal zwei neue Aussteller im Programm haben“, führt Skowronek die Zukunftspläne für die Messe aus.

Außer in Oberhausen sind die Abfüllungen von Anam na h-Alba auch auf vielen anderen Whisky- und Spirituosenmessen zu finden. In Nürnberg wurde das Label 2016 von Maggie Miller (Scotch Single Malt Circle) vertreten, die an ihrem Stand neben den eigenen Club-Abfüllungen auch eine Auswahl der aktuellen Anam na h-Alba-Produkte präsentierte.

Ein Blick in das "Whiskywohnzimmer". Foto: (c) T. Skowronek
Ein Blick in das “Whiskywohnzimmer”.
Foto: (c) T. Skowronek

Der eigene Laden, den Tom Skowronek als „Whiskywohnzimmer“ bezeichnet, spielt aktuell noch eine recht kleine Rolle im Berufsalltag des Whiskyhändlers. „Das wird sich aber sicherlich in ganz naher Zukunft ändern. Wir werden uns auf Abfüllungen von anderen unabhängigen Abfüllern spezialisieren, die es nicht in jedem zweiten Laden gibt.“ Auch die Abfüllungen der Strathearn Distillery, für die Tom Skowronek deutscher Exklusivimporteur ist, sind dort zu finden. Bisher handelt sich es dabei zwar ausschließlich um Gin, ab September 2016 werden dann aber auch Single Malts der schottischen Destillerie in den Regalen stehen.

Neues aus der Anam na h-Alba-Schatzkammer

Liebhaber von naturbelassenen Einzelfassabfüllungen kommen bei Anam na h-Alba ganz auf ihre Kosten. Foto: (c) T. Skowronek
Liebhaber von naturbelassenen Einzelfassabfüllungen kommen bei Anam na h-Alba ganz auf ihre Kosten.
Foto: (c) T. Skowronek

Anam na h-Alba hat längst einen hohen Stellenwert bei deutschen Whiskyliebhabern. Und auch in Zukunft wird das Label qualitativ hochwertigen Whisky aus Einzelfassabfüllungen anbieten. Deshalb ändert sich auch die Produktpalette ständig. Für die nächste Zeit sind der Kauf eines 22-jährigen Springbank und eines 25-jährigen Glengoyne geplant, beide jeweils aus einem firstfill Sherryfass. Obwohl diese Geschäfte noch nicht hundertprozentig in trockenen Tüchern sind. Auch das eine oder andere Fass Bruichladdich könnte seinen Weg in die Anam na h-Alba-Schatzkammer finden, wie Tom Skowronek verrät. Whiskyliebhaber, die das „Wasser des Lebens“ gerne fernab des Originalabfüllungs-Mainstreams entdecken, kommen hier sicher wieder auf ihre Kosten. Denn Anam na h-Alba steht für Whiskys mit einem individuellen Charakter. Eben Whiskys, die die Seele Schottlands verkörpern.

Patrick

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