Portrait: Thomas Ide (The Whisky Chamber, unabhängiger Abfüller aus Rheinfelden)

Für sein Label "The Whisky Chamber" spürt Thomas Ide immer wieder ganz besondere Einzelfässer auf. Foto: (c) T. Ide
Für sein Label “The Whisky Chamber” spürt Thomas Ide immer wieder ganz besondere Einzelfässer auf.
Foto: (c) T. Ide

Manchmal hat ein guter Single Malt auch etwas mit Zufall zu tun. Das ist zumindest eine Erfahrung, die Thomas Ide gemacht hat, der mit seinem 2006 gegründeten Label The Whisky Chamber in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum als unabhängiger Abfüller feiert. Nachdem er eigentlich ein vorreserviertes Sherryfass aus dem Lager eines Whiskybrokers kaufen wollte, stolperte er sprichwörtlich über ein ganz anderes Fass:  „Das Fass lag einfach in unserem Weg. Also haben wir es probiert. Der Whisky verströmte süße Vanillenoten mit einem Hauch Johannisbeere“, schwärmt der Unternehmer. Und nachdem er den Whisky aus seinem ursprünglich ausgewählten Fass in der Gegenprobe verkostet hatte, stand der Entschluss fest: „Das Sherry-Thema hatte sich erledigt. Es musste jetzt unbedingt der leckere Aultmore von 1992 aus dem Bourbonfass sein.“

Keine Standardabfüllungen

Thomas Ide sucht Einzelfässer mit einer eigenständigen Note. Foto: (c) T. Ide
Thomas Ide sucht Einzelfässer mit einer eigenständigen Note.
Foto: (c) T. Ide

Der eigene Geschmack ist für Thomas Ide bei der Auswahl seiner Whiskys entscheidend. Und damit trifft er regelmäßig den Geschmack vieler Whiskyliebhaber, die sich gerne abseits der Standardabfüllungen der Destillerien umsehen. „Der Whisky soll ein rundes Geschmackserlebnis bieten. Dabei suche ich gerne nach Fässern, die nicht ganz destillerietypisch sind – diesen Geschmack bekommt man schließlich schon bei den Originalabfüllungen“, erklärt der Mann aus Rheinfelden an der deutsch-schweizerischen Grenze. „Manchmal höre ich auch auf die Kommentare meiner Freunde, die gelegentlich bei mir ein Fasssample probieren können.“

Mit The Whisky Chamber hat Thomas Ide sein Hobby und seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Man spürt ihm an, dass er sich mit seinem Produkt identifiziert und dass er seine Begeisterung über Whisky gerne mit Gleichgesinnten teilt. Als ich den unabhängigen Abfüller 2015 auf der Nürnberger Whiskymesse The Village kennen lernte, haben mich seine Art und seine Whiskys sofort angesprochen und überzeugt. Damals war es ein 21-jähriger Springbank aus dem Ex-Bourbonfass, Jahrgang 1993, der mich begeisterte und von dem auch Thomas Ide selbst schwärmte.

Mit der 3er-Regel auf Einkaufstour

Regelmäßige Besuche in den Warehouses schottischer Brennereien (hier Tullibardine) sind ein wichtiger Teil im Berufsleben des unabhängigen Abfüllers. Foto: (c) T. Ide
Regelmäßige Besuche in den Warehouses schottischer Brennereien (hier Tullibardine) sind ein wichtiger Teil im Berufsleben des unabhängigen Abfüllers.
Foto: (c) T. Ide

Seine Leidenschaft für schottischen Single Malt entdeckte der Whiskyhändler Ende der 1970er Jahre: „Auf der Suche nach immer neuen Abfüllungen blieb es nicht aus, dass man auch mal nach Schottland musste. Dort habe ich seinerzeit auch zum ersten Mal Einzelfassabfüllungen kennengelernt. Das war bei einem kleinen Whiskyhändler in den Cairngorms“, erinnert sich Ide. Die Begeisterung für solche besonderen Whiskys entfachte bei Thomas Ide eine regelrechte Sammelleidenschaft. „Ich wollte möglichst viele tolle Whiskys probieren und mein ‚Eigen‘ nennen. Es gab die ‚3er-Regel‘: Eine Flasche zum Trinken, eine für die Sammlung und eine Flasche zum späteren Verkauf, damit die ersten zwei Flaschen bezahlt sind.“ Und schmunzelnd schiebt Ide hinterher: „Bei richtig tollen Whiskys klappte es dann leider doch nicht, da nach dem ‚Probieren‘ keine Flasche mehr übrig war.“

Dass dabei auch manch besonderer Tropfen unwiederbringlich verloren geht, weiß Thomas Ide nur zu gut: „Ich hatte einen Lieblingswhisky, das war ein Talisker von 1955 in Fasstärke, abgefüllt von Gordon & MacPhail. Ich hatte acht Flaschen und den letzten Tropfen an meinem 55. Geburtstag genossen. Ersatz suche ich seit 1997 und ich gebe nicht auf.“

Vom Flaschen- zum Fässersammler

Weil Whisky letzten Endes nicht zum Sammeln, sondern zum Genießen da ist, hat Thomas Ide schon seit längerem das Sammeln von Flaschen aufgegeben und andere Prioritäten gesetzt: „Ich habe mich dann mehr auf Fässer konzentriert.“ Diese kauft der Abfüller als new make oder aber auch bereits vorgereift und direkt in Schottland über Whiskybroker oder bei den Destillerien selbst. „Letzten Endes sind es die persönlichen Kontakte vor Ort, die einem Zugang zu besonderen Whiskys ermöglichen. Die Nachfrage ist inzwischen so groß, dass es sonst keinen Grund gäbe, einem kleinen Abfüller bestimmte Fässer anzubieten.“ Mit einigen Brennereien pflegt Ide so gute Kontakte, dass er auch eigene Fässer (z.B. Rum, Sherry, Portwein) zum Befüllen nach Schottland schicken kann. „Ich experimentiere einfach auch gerne mit ungewöhnlichen Geschmacksnoten“, führt der Unternehmer aus.

Die bauchigen Flaschen sind ein Markenzeichen von The Whisky Chamber. Foto: (c) T. Ide
Die bauchigen Flaschen sind ein Markenzeichen von The Whisky Chamber.
Foto: (c) T. Ide

Auch an seinen ersten Whisky, den er unter dem eigenen Firmennamen auf den Markt brachte, erinnert sich Thomas Ide noch gut: „Das war ein 28-jähriger Glen Spey mit 58,9% und feinen Frucht- und Schokoladennoten. Es war ein tolles Gefühl, den Whisky in der neuen bauchigen Flaschenform mit dem ovalen Etikett und meinem Logo in der Hand zu halten.“ Die bauchigen 0,5l-Flaschen sind inzwischen ein Markenzeichen der Whisky Chamber-Abfüllungen, die alle ungefärbt, nicht kühlgefiltert und in Fassstärke ihren Weg zu den Whiskygenießern des Landes finden.

Der Einkauf von Flaschen und die Organisation rund um die Abfüllung und Einfuhr des Whiskys ist dabei längst nicht alles, was den Arbeitsalltag des unabhängigen Abfüllers prägt. Mit über 60 Veranstaltungen pro Jahr, Messeauftritten und Tastings, kommt Thomas Ide viel herum. Natürlich muss auch jede dieser Veranstaltungen geplant, organisiert und nachbereitet werden. „Überhaupt ist man als ‚One-Man-Show‘ für alles verantwortlich. Vom Einkauf der Whiskys oder leerer Sherryfässer in Spanien über das Drucken neuer Etiketten, Verpackung, Logistik, Lager fegen bis hin zu Buchhaltung und Rechnungen schreiben. Eben alles, was anfällt“, beschreibt Ide seinen Berufsalltag.

Jubiläums-Trilogie

Seine Jubiläumswhiskys hat Thomas Ide bereits vor zehn Jahren eigenhändig in Fässer gefüllt. Foto: (c) T. Ide
Seine Jubiläumswhiskys hat Thomas Ide bereits vor zehn Jahren eigenhändig in Fässer gefüllt.
Foto: (c) T. Ide

Für das Jahr 2016 dürfen sich Whiskyliebhaber auf ein paar besondere Single Malts von The Whisky Chamber freuen. Schließlich steht das zehnjährige Geschäftsjubiläum an – und das will gefeiert werden. „Im Herbst kommt eine Jubiläums-Trilogie von Tullibardine aus Bourbon-, Oloroso-Sherry- und Rumfässern.“ Hinter diesen Einzelfässern steht für Thomas Ide eine ganz besondere Geschichte: „Diese Fässer habe ich 2006 am Tag der Kündigung meines Konzernjobs eigenhändig befüllt.“

Daneben verspricht Thomas Ide noch weitere jubiläumswürdige Abfüllungen. Und wer weiß, vielleicht stolpert er ja bei seinem nächsten Besuch in schottischen Lagerhäusern wieder über ein ganz besonderes Fass, wie damals bei seinem Aultmore 1992. Obwohl man sich als Whiskyliebhaber auch darauf verlassen kann, dass The Whisky Chamber ganz ohne Zufall erstklassige Single Malts abfüllt.

Patrick

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