Der Familientradition verschrieben: George S. Grant von Glenfarclas im Interview

George S. Grant mit seinem Hund Cisco. Foto: John Paul
George S. Grant mit seinem Hund Cisco.
Foto: John Paul

Glenfarclas zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Brennereien, wenn es um schottischen Single Malt geht. 65.000 Fässer liegen im Lager. Die ältesten stammen aus dem Jahr 1953. Weltweit hat Glenfarclas seine Anhänger. Umso erstaunlicher ist es, dass dieses Erfolgsunternehmen bis heute in Familienbesitz ist. Seit 150 Jahren leitet die Familie Grant die Geschicke des Unternehmens – mittlerweile in fünfter und sechster Generation. Heute sind John, der Vater, und George S. Grant, der Sohn, am Ruder. George ist dabei Markenbotschafter und öffentliches Gesicht von Glenfarclas. Wir haben uns sehr gefreut, dass er sich für ein Interview mit dem Whisky-Club Fränkische Schweiz Zeit genommen hat. Im Gespräch berichtet er auch darüber, welche Vorteile ein familiengeführtes Unternehmen hat.

Im Spirit Safe werden Vor-, Mittel- und Nachlauf des Rohdestillats getrennt. Foto: John Paul
Im Spirit Safe werden Vor-, Mittel- und Nachlauf des Rohdestillats getrennt.
Foto: John Paul

Patrick Grasser: Glenfarclas feierte im vergangenen Jahr (2015) ein Jubiläum: Die Brennerei ist seit 150 Jahren im Besitz Deiner Familie. Welche Rolle spielt diese Tradition für Eure Whiskys und für die Whiskyproduktion?
George Grant: Tradition ist für uns alles. Wir wollen heute die gleichen Whiskys herstellen wie vor fünfzig Jahren und wie wir sie noch in fünfzig Jahren machen wollen. Wenn wir dabei Dinge verändern müssen, stellen wir die alten und neuen Verfahren einander gegenüber, um sicherzustellen, dass sich an Spirit und Whisky nichts ändert.

PG: Was zeichnet einen Glenfarclas-Whisky aus?
GG: Unsere Whiskys sind unverfälscht, einfach natürlich. Sie sind sherrytönig, kräftig und sehr geschmeidig.

Ein Blick auf die Glenfarclas-Brennerei. Foto: John Paul
Ein Blick auf die Glenfarclas-Brennerei.
Foto: John Paul

PG: Wenn man in einer Familie aufwächst, die seit Generationen im Whiskygeschäft ist, gehört Whisky wahrscheinlich von Anfang an dazu. Kannst Du Dich noch an Deinen ersten Whisky erinnern?
GG: Mir wurde glaubhaft erzählt, dass mein Zahnfleisch mit Whisky eingerieben wurde, als ich meine ersten Zähne bekam. Aber an meinen ersten Whisky als Erwachsener kann ich mich nicht mehr erinnern.

PG: War es für Dich von Anfang an klar, dass Du in das Familienunternehmen einsteigst oder hattest Du auch andere Pläne und Ideen, einen anderen beruflichen Weg einzuschlagen?
GG: Ich hatte nie den Druck von meiner Familie, ins Unternehmen einzusteigen. Aber die Erwartung von außen war schon, dass ich in den Familienbetrieb einsteige. Allerdings habe ich erst ein Jahr lang in Glasgow in einem Büro in der Buchhaltung gearbeitet, bevor ich ins Whiskygeschäft eingestiegen bin.

PG: Du hast viele Jahre in anderen Brennereien gelernt und gearbeitet. Wie wichtig ist es, Einflüsse aus anderen Firmen mitzubekommen und haben sich diese Eindrücke auch auf die Arbeit bei Glenfarclas ausgewirkt?
GG: Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass du als Familienmitglied zuerst in einer anderen Brennerei arbeiten musst, bevor du bei Glenfarclas einsteigen kannst. Schließlich ist es besser, einen Anfängerfehler in einer anderen Brennerei zu machen und nicht in der eigenen. Ich muss allerdings etwas langsam im Lernen gewesen sein, ich habe in vier Brennereien gearbeitet (Knockdhu, Old Pulteney, Balblair und Speyburn, Anm. PG).

De ältesten der 65.000 Fässer in den Glenfarclas-Warehouses wurden 1953 befüllt. Foto: John Paul
De ältesten der 65.000 Fässer in den Glenfarclas-Warehouses wurden 1953 befüllt.
Foto: John Paul

PG: Glenfarclas ist nicht nur ein traditionsreiches Unternehmen, zu Euren Standardabfüllungen gehören auch sehr alte Whiskys wie der 30-jährige oder der 40-jährige Glenfarclas. Wie kommt es, dass Ihr auf so alten Whisky zurückgreifen könnt? Andere Brennereien können das nicht in diesem Umfang.
GG: Schlicht und einfach weil wir in Familienbesitz sind. Wir machen Whisky, der von zukünftigen Generationen verkauft und genossen wird. Es ist einfach, all deine Kronjuwelen in einem Rutsch zu verkaufen. Aber wir möchten jedes Jahr nur ein kleines Stück davon verkaufen, um sicherzustellen, dass diese unglaublichen Whiskys noch von sehr viel mehr Menschen genossen werden können.

PG: Im Augenblick bringen viele Brennereien Whiskys ohne Altersangabe, sog. No-Age-Statement-Whiskys (NAS-Whiskys), auf den Markt. Wie stehst Du zu diesem Trend und spielt dieser Trend auch für Glenfarclas eine Rolle?
GG: Ich verstehe, warum einige Brennereien NAS-Whiskys auf den Markt bringen müssen. Aber ich stimme in den meisten Fällen nicht mit ihnen überein. Ich glaube fest daran, dass Altersangaben auf der Flasche dem Kunden ein besseres Verständnis davon geben, was er da kauft.

PG: Ein anderer Trend ist das Finishing in frischen Fässern. Was sagst Du dazu und warum verzichtet Ihr bei Glenfarclas darauf?
GG: Warum sollte man einem Whisky ein Finish verpassen? Ich bin sehr glücklich mit dem, was ich herstelle. Ich brauche das, was ich habe, nicht besser machen. Ich bin hundertprozentig damit zufrieden.

Seit 2002 leitet John L. S. Grant das Familienunternehmen. Foto: John Paul
Seit 2002 leitet John L. S. Grant das Familienunternehmen.
Foto: John Paul

PG: Seit 2007 bringt Ihr mit Eurer Family Cask-Serie ganz besondere Einzelfässer mit Jahrgangsangaben heraus. Wie kam es zu diesen Abfüllungen und was zeichnet die Family Cask-Serie aus?
GG: Mit unseren Family Casks wollten wir zunächst zeigen, was wir in unserem Lager hatten. Jedes Family Cask ist ganz anders, jedes ist eben ein Einzelfass und wird in Fassstärke abgefüllt.

PG: Eine Frage zu den Fässern. Glenfarclas Whisky reift fast ausschließlich in Sherryfässern – ansonsten sind mir nur noch ein paar Abfüllungen aus Port Pipes aufgefallen. Warum bevorzugt Ihr diese Fässer und verwendet nicht wie viele andere Destillerien auch ex-Bourbonfässer?
GG: Bourbonfässer passen einfach nicht zu unserem Whisky, sie verbinden sich nicht mit ihm. Der Whisky ist dann sehr ölig und passt nicht wirklich zu Glenfarclas.

Bei Glenfarclas werden fast ausschließlich ehemalige Sherryfässer verwendet. Foto: John Paul
Bei Glenfarclas werden fast ausschließlich ehemalige Sherryfässer verwendet.
Foto: John Paul

PG: Wird es schwieriger, an gute Sherryfässer zu kommen? Bezieht Ihr alle Fässer aus der gleichen Bodega oder habt Ihr unterschiedliche Lieferanten?
GG: Wenn es für dich in Ordnung ist, dass du für sie gut bezahlen musst, kannst du sie natürlich noch bekommen. Wir beziehen unsere Sherryfässer seit 1988 aus derselben Bodega.

PG: Sherryfässer werden für die Whiskyreifung mehrmals verwendet. Kannst Du etwas über das Mischungsverhältnis bei Eurem 15-jährigen und dem 25-jährigen Whisky verraten? Ist der Anteil an first-, second- und third-fill Fässern immer gleich?
GG: Alle Standardabfüllungen von Glenfarclas haben ein Mischverhältnis von sechzig Prozent first- und second-fill Sherryfässern und vierzig Prozent third- und fourth-fill Fässern.

PG: Du hast den ganzen Tag beruflich mit Whisky zu tun. Sitzt Du trotzdem noch manchmal abends da und schenkst Dir ein Glas Whisky ein? Einfach nur zum Genießen und ohne beruflichen Hintergedanken?
GG: Sehr selten. Da trinke ich eher ein Bier, ein Glas Wein oder Gin und Tonic.

PG: Hast Du dennoch zur Zeit einen Lieblingswhisky?
GG: Unser neuer 50-jähriger, aber bald dürfte er durch unseren 40-jährigen Glenfarclas von 1976 (Georges Geburtsjahr, Anm. PG) ersetzt werden.

PG: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast.

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