Whisky-Vorstellung: Benrinnes 1997/2016, Whisky-Club Fränkische Schweiz, 52,4%Vol.

Benrinnes 1997/2016 (Whisky-Club Fränkische Schweiz)
Benrinnes 1997/2016 (Whisky-Club Fränkische Schweiz)

Gewitterwolken legen sich über die Fränkische Schweiz und aus den Wäldern steigen dichte Nebelschwaden auf. Die verwitterten Mauern einer halbverfallenen Burgruine wachsen zwischen den efeuumrankten Bäumen aus dem Boden. Es ist genau die richtige Stimmung, um ein Glas Single Malt zu genießen. Und wenn der dann noch das Logo unseres Whisky-Clubs Fränkische Schweiz auf dem Etikett trägt, ist einfach alles perfekt.

Vor etwas mehr als einem Jahr, im April 2015, haben wir unseren Whisky-Club ins Leben gerufen und passend zum ersten Geburtstag bekamen wir die Möglichkeit, einen Fassanteil eines schottischen Speyside Single Malts zu kaufen. Nun können wir mit einem 18-jährigen Benrinnes aus dem First Fill Bourbon Barrel auf das erste Clubjubiläum anstoßen. Insgesamt neun Flaschen dieser Einzelfassabfüllung tragen unser Club-Label. Destilliert wurde der Benrinnes im August 1997 und schlummerte dann für beinahe neunzehn Jahre in seinem Fass, bevor er im Mai 2016 ungefärbt, nicht kühlfiltriert und in Fassstärke mit 52,4%Vol. abgefüllt wurde.

Satter Bernstein funkelt im Glas, während der Benrinnes in zahlreichen, dichten Legs an der Glaswand herunterperlt. Das First Fill Bourbon Barrel zeigt bereits bei der Farbe seinen Einfluss auf den Whisky. Und auch im Aroma kann der Benrinnes den Fasseinfluss nicht verbergen. Der süße Geruch nach Honig, Karamell und Vanille umschmeichelt die Nase. Über allem schwebt eine leichte Schärfe wie von frisch gemahlenem schwarzem Pfeffer, bevor sich fruchtige Anklänge von reifen Bananen und süßem Malz durchsetzen. Im Hintergrund entdecke ich saftige Birnen und etwas Mirabellenkompott und mit sehr viel Zeit im Glas auch eine ganz dezente Spur Schwefel, wie von einem Streichholz, das gerade entzündet wird. Dieses Schwefelaroma, das ich in einem Whisky sehr gerne mag, ist allerdings nur ganz minimal wahrnehmbar und verschwindet wieder hinter dem fruchtig-süßen Gesamteindruck, den das Aroma des Benrinnes 1997/2016 hinterlässt.

Der Eindruck aus der Nase spiegelt sich auch im Geschmack des Whiskys wider: Geschmeidig fließt er über die Zunge und breitet sich mit einem süßen, aber angenehm kräftigen Antritt im Mund aus. Sofort kommen Assoziationen von mit Honig überzogenen Birnen und Bananen auf, bevor sich für einen Augenblick eine pfeffrige Schärfe in den Vordergrund schiebt. Dann zeigen sich Vanille, zartbittere Schokolade und geröstetes, leicht angekohltes Eichenholz.

Im Abgang zeigt der Benrinnes 1997/2016 noch einmal seine süße Seite. Wärmend und mit fruchtigen Anklängen bleibt er noch eine Weile, ohne dass das Finish extrem lang wäre. Für meinen Geschmack ist der Abgang eher mittellang und rundet den Gesamteindruck des Single Malts wunderbar ab: Fruchtige Anklänge bleiben auf den Wangen zurück, machen noch einmal einem malzigen Geschmack Platz und verbinden sich dann mit würzigen Eichenholznoten, die zuerst an Haselnüsse, später eher an geröstete Kaffeebohnen erinnern.

Für meinen Geschmack ist der Benrinnes 1997/2016 ein sehr gelungener Speyside Single Malt und das nicht, weil er unsere erste Clubabfüllung ist. Das Zusammenspiel aus fruchtiger Süße, Vanille und feinen Eichenholznoten ist genau das, was einen guten Single Malt ausmacht. Einfach perfekt – und das nicht nur an einem verregneten Frühsommerabend in der Fränkischen Schweiz.

Patrick

2 Antworten auf „Whisky-Vorstellung: Benrinnes 1997/2016, Whisky-Club Fränkische Schweiz, 52,4%Vol.“

  1. Sehr treffende Analyse unseres ersten Club-Whiskys, Patrick. Er schmeckt wirklich toll und ist absolut eine Überraschung des Jahres.
    Ich freue mich darauf, ihn nächste Woche gemeinsam mit den anderen Club-Mitgliedern zu probieren.

    Ach ja: Das Foto zum Beitrag ist wieder einmal eine Augenweide (ich tippe, es wurde in egloffstein geschossen)

    1. Freut mich, dass Dir das Foto gefällt. Es wurde aber nicht in Egloffstein aufgenommen, sondern auf der Burgruine Leienfels (ca. 12 km von Egloffstein entfernt 😉 ).

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