Die Grand Dame der deutschen Whiskyszene: Maggie Miller (Scotch Single Malt Circle) im Portrait

Eine Frau mit einer Spürnase für besondere Single Malts: Maggie Miller vom SSMC. Foto: (c) M. Miller
Eine Frau mit einer Spürnase für besondere Single Malts: Maggie Miller vom SSMC.
Foto: (c) M. Miller

Im Sauerland aufzuwachsen und den Beruf der Krankenschwester zu lernen ist nicht gerade der typische Grundstein für eine Karriere im Whiskybusiness. Und doch wurde aus einer im Sauerland aufgewachsenen Krankenschwester die Wegbereiterin der unabhängigen Whiskyabfüller in Deutschland. Denn bereits in den 1980er Jahren gründete Maggie Miller mit ihrem schottischen Mann Bill, der im März 2015 verstarb, den Scotch Single Malt Circle (SSMC), einen Whiskyclub, der exklusiv für seine Mitglieder erstklassige Malt Whiskies aufspürt. Viele der SSMC-Abfüllungen haben regelrechten Kultstatus erlangt.

Zwischen Krankenhaus und Whisky-Circle

Trotz der inzwischen 985 Clubmitglieder, zahlreicher Tastings und Messeauftritte ist der Scotch Single Malt Circle für Maggie Miller immer eine Nebentätigkeit geblieben: „Ich habe den Circle immer neben meinem Beruf als Krankenschwester ausgeübt. In die bürokratischen Tätigkeiten bin ich dann mit der Zeit gewachsen“, erklärt Maggie Miller. „Jeder, der sich damit beschäftigt, weiß welch Aufwand bei dem Import betrieben werden muss. Der Circle ist also immer nebenher gelaufen, was bedeutet, dass die Tage oft sehr lang waren. Doch das nette Feedback der Mitglieder hat mich auch immer wieder angetrieben.“

Wegbereiter der Einzelfass-Whiskies

Als passionierter Whiskyliebhaber war Bill Miller ein bedeutender und engagierter Botschafter des Single Malt in Deutschland. Foto: (c) M. Miller
Als passionierter Whiskyliebhaber war Bill Miller ein bedeutender und engagierter Botschafter des Single Malt in Deutschland.
Foto: (c) M. Miller

Dass Single Malt Whisky einmal einen solchen Hype erfahren würde, wie dies gegenwärtig der Fall ist, hätte Maggie Miller nicht zu träumen gewagt, als sie ihr erstes Fass abfüllen ließ. Damals, Ende der 80er Jahre, war es eher unüblich, einen Whisky in Fassstärke abzufüllen, erinnert sich die Whisky-Expertin: „Zu dieser Zeit war es üblich, die Fässer auf 40 oder 43% zu reduzieren, was wir aber nicht wollten.“ Über einen Studienfreund von Bill Miller hatte das Ehepaar erste Kontakte zur Bowmore Distillery geknüpft, die auch Fässer anderer Brennerein lagerten. „Allerdings mussten wir uns gedulden, bis man dort Zeit für unseren Wunsch hatte, den Whisky in Fassstärke abzufüllen. Ich hatte damals so meine Zweifel, ob es jemals geschehen würde.“

Fast drei Jahre mussten schließlich vergehen zwischen der ersten Idee, Whiskies unter eigenem Label abzufüllen und dem Tag, an dem die Flaschen tatsächlich vor ihnen standen. Dann konnten auch die ersten Clubmitglieder endlich ihre erste SSMC-Whiskyflasche in Händen halten: Einen Royal Brackla mit 66,3%Vol. „Damals war das Getränk noch nicht ‚in‘, und meine Sorge galt der Menge, die ich zu verteilen hatte. Ob ich wohl jemals alle Flaschen an die Frau oder den Mann bringen würde?“ Fast zwei Jahre vergingen, bis die erste Clubabfüllung verkauft war und sich für die Millers die Möglichkeit einer Neuanschaffung bot.

Die Scotch Malt Whisky Society als Inspiration

Zu diesem Zeitpunkt war Whisky, insbesondere schottischer Single Malt, für Maggie Miller zu einer echten Passion geworden. Entfacht wurde diese Leidenschaft während eines Besuchs mit ihrem Mann Bill bei der Scotch Malt Whisky Society in Leith im Jahr 1984. „Ein alter Studienfreund von Bill, der Shareholder bei der Society war, stellte Bill einige Drams vor. Mit der Zeit hatte Bill einige Gläser vor sich. Ich nahm dann eher aus Langeweile eine ‚Nase‘ davon und war entzückt, wie viele unterschiedliche Aromen darin zu finden waren“, beschreibt Maggie Miller ihre erste Begegnung mit Single Single Malts, also Malt Whiskies, die nicht nur aus einer einzigen Brennerei, sondern noch dazu aus einem einzigen Fass stammen. Im Gespräch mit dem Freund ihres Mannes wurde auch schnell die Idee geboren, diese Art von Whisky in Deutschland zu etablieren. Das erste Vorhaben, eine deutsche Dependance der SMWS zu werden, scheiterte, da die Millers nicht alle der damaligen fünf Shareholder auf ihre Seite bekommen konnten. Also versuchten sie es im Alleingang, mit der Gründung des Scotch Single Malt Circles.

Bill Miller (Mitte) präsentiert die Auszeichnung "The World Whisky Award 2008", die der SSMC für seinen Tomatin 1976 erhielt. Foto: (c) M. Miller
Bill Miller (Mitte) präsentiert die Auszeichnung “The World Whisky Award 2008”, die der SSMC für seinen Tomatin 1976 erhielt.
Foto: (c) M. Miller

Mittlerweile ist der Scotch Single Malt Circle als unabhängiger Abfüller eine feste Größe in der deutschen Whiskyszene. Die Kontakte nach Schottland wurden in den zurückliegenden Jahrzehnten immer weiter ausgebaut, so dass Maggie Miller über die Zusammenarbeit mit Whisky-Brokern immer wieder besondere Einzelfässer für ihre Clubmitglieder abfüllen lassen kann. Der SSMC hat damit sicher dazu beigetragen, dass Single Malt derzeit eine Renaissance erlebt und inzwischen ein Kultgetränk ist, wie Maggie Miller ausführt. Allerdings gibt es auch dabei eine zweite Seite der Medaille, erklärt die Düsseldorferin: „Früher war die Auswahl größer und die Qualität einfacher zu finden. Außerdem sind viele unabhängige Abfüller dazugekommen, wodurch das Angebot mächtig geschrumpft ist.“

Im Kontakt mit den Mitgliedern

Die Millers wollten nie einfach nur Whisky verkaufen. Sie suchten von Anfang an den Kontakt mit den Menschen, die ihren Whisky genießen. Deshalb entschieden sich Maggie und Bill Miller auch für das Modell eines Clubs. Im Unterschied zu anderen Abfüllern sind die Circle-Bottlings den Mitgliedern vorbehalten: „Wir wollten nicht gerne anonym verkaufen, deshalb hatten wir schon immer schriftlichen oder telefonischen Kontakt zu unseren Mitgliedern. Inzwischen auch per E-Mail.“

Der persönliche Kontakte spielt im SSMC eine wichtige Rolle: „Tastings und Messen geben mir die Möglichkeit, die Mitglieder persönlich kennen zu lernen. Es ist spannend, dabei auch die unterschiedlichen Eindrücke zu den jeweiligen Whiskies auszutauschen.“

Whiskies für Genießer

Auf den Flaschen des SSMC finden Whiskygenießer Einzelheiten über Destillation, Fassreifung und Abfüllung der Circle-Bottlings. Foto: (c) M. Miller
Auf den Flaschen des SSMC finden Whiskygenießer Einzelheiten über Destillation, Fassreifung und Abfüllung der Circle-Bottlings.
Foto: (c) M. Miller

Für Maggie Miller ist Whisky deshalb auch ein Getränk, das genossen werden will. Ihre Abfüllungen sind deshalb schlicht gehalten, mit ansprechenden Etiketten, aber ohne Umverpackung oder aufbauschenden Schnickschnack. „Ich bin der Meinung, dass unsere Bottlings eher zum Trinken gedacht sind. Natürlich gab es einige Highlights von Ardbeg oder Port Ellen, von denen sicher einige Flaschen ungeöffnet geblieben sind und vielleicht auch zu einem höheren Preis weiterverkauft wurden.“ Für Maggie Miller selbst spielte das Sammeln von Whisky aber nie eine wirkliche Rolle: „Leider hatte ich nie das nötige Kleingeld, um mir eine Sammlung anzulegen. Ich habe aber versucht, von unseren Abfüllungen immer eine Flasche für das Archiv zu retten, was mir leider nicht immer gelungen ist.“ Überhaupt ist die Düsseldorferin skeptisch, ob sich die Investition in Whiskysammlungen am Ende tatsächlich auszahlt: „Die Frage ist, ob der Boom anhalten wird und ob man dann, wenn man eine Flasche zu Geld machen möchte auch den gewünschten Erlös bekommt. Ich bin da etwas skeptisch.“

Und so genießt Maggie Miller ihren „Nektar“, wie sie es nennt, lieber. Da sie bei ihrer Arbeit im SSMC inzwischen von Victor William Floyd unterstützt wird, finden sich auch wieder häufiger Mußestunden, in denen dafür Zeit ist. Natürlich kommen dabei vor allem die eigenen Abfüllungen ins Glas, die es der Circle-Gründerin ganz besonders angetan haben. „Ich habe noch einen winzigen Tropfen unseres letzten und ersten Glen Moray, ein 8-jähriger Single Malt mit 64,8%, der mich mit seiner Komplexität immer wieder verzaubert. Daneben liebe ich den 28-jährigen Benrinnes, für den ich aber viel Zeit brauche, da er nur langsam und mit Wasser seine Schönheit zeigt“, schwärmt Maggie Miller.

Whiskyabfüllerin im Unruhestand

Ein Team, dem man die Begeisterung für Whisky anmerkt: Victor William Floyd und Maggie Miller. Foto: (c) M. Miller
Ein Team, dem man die Begeisterung für Whisky anmerkt: Victor William Floyd und Maggie Miller.
Foto: (c) M. Miller

Obwohl Maggie Miller inzwischen bereits im Rentenalter ist und ihren Circle auch nicht mehr auf jeder Messe selbst vertritt, ist an ein Aufhören längst nicht zu denken. Und so dürfen sich Whiskygenießer in der nächsten Zeit auf zwei neue SSMC-Abfüllungen freuen, verrät Maggie Miller: „In Kürze erreicht uns ein 19-jähriger Springbank, der in einem frischen Rumcask gereift ist. Mit einer hellen Bernsteinfarbe und 57,7% – ein etwas atypischer Springer, der mit etwas Wasser tolle Aromen entfaltet. Dann habe ich mich auf meiner letzten Reise in einen sehr leckeren Allt-a-Bhainne aus dem Bourbon Hogshead verliebt, den ich wohl auch abfüllen lasse.“

Wer nun Lust auf die Abfüllungen des Scotch Single Malt Circles bekommen hat, kann sich über die Mitgliedschaft auf der Website des Circles informieren oder einfach eine Mail an maggie@scotchsingle.de schreiben. Im ersten Jahr kostet die Mitgliedschaft 25 Euro, ab dem zweiten Jahr 12,50 Euro. Und wer weiß, vielleicht kann der SSMC ja bald sein tausendstes Mitglied begrüßen.

Patrick

5 Antworten auf „Die Grand Dame der deutschen Whiskyszene: Maggie Miller (Scotch Single Malt Circle) im Portrait“

  1. Vor vielen Jahren ‘entdeckte’ ich (wo genau, weiß ich leider nicht mehr) eine verstaubte Flasche des SSMC und erstand sie, weil ich ihr Etikett und die Angaben darauf toll fand! Irgendwann merkte ich, dass man da Mitglied werden kann und mit den Millers einen sehr persönlichen und regen Emailkontakt pflegen kann, was mir das Gefühl gab, es wirklich mit einem kleinen, edlen Circle zu tun zu haben.
    Als Schweizer war es mir bisher nie vergönnt, Maggie an einer Messe oder sonstwie live zu begegnen, weshalb ich mich umso mehr über diesen Beitrag freue! Danke! 🙂

  2. Ich las, als Düsseldorfer in der Samstagsausgabe der “Rheinischen Post”, in den frühen 90-er Jahren einen Bericht über den Club. Als Whiskytrinker war ich natürlich sofort Feuer und Flamme und musste Mitglied werden. Meine erste erworbene Flasche war ein “Glen Dronach”. Ob wohl gastfreundlich und gerne bereit mit meinen Freunden zu teilen, habe ich diese Flasche ganz alleine mit etwas Hilfe Seitens meiner Frau geleert. Seit der Zeit beziehe ich regelmäßig meinen Dram bei Bill und Maggie. Als Düsseldorfer habe ich den Vorteil mir meine Bestellungen selber abholen zu können. So kam es immer wieder zu herzlichen und geistreichen Gesprächen mit Bill und Maggie. Danke dafür.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.