Whisky-Vorstellung: Glentauchers 2008 (Nicaragua Rum Cask Finish), Alambic Classique, 59,6%Vol.

Glentauchers 2008 (Alambic Classique)
Glentauchers 2008 (Alambic Classique)

Nachgereifte Whiskies sind heute wahrlich keine Seltenheit mehr. Zahlreiche Brennereien und Abfüller setzen darauf, ihren Single Malts durch das Finish in einem zweiten Fass eine dunklere Farbe und zusätzliche Aromen zu verleihen. Industriewhiskies, die in großen Mengen abgefüllt werden, verbringen oft nur wenige Monate in diesem zweiten Fass. Anders verhält es sich häufig bei den Produkten unabhängiger Abfüller, wie im Fall der Allgäuer Spirituosenfirma Alambic Classique. Kaufmann Hermann Suppanz, Gründer des Unternehmens aus Bad Wörishofen, rief bereits vor der großen Nachreifungswelle seine “Double Matured Selection” ins Leben. Dabei geht es ihm aber nicht darum, einen Whisky aufzuhübschen, sondern einem hochwertigen Produkt zusätzliche Tiefe zu verleihen.

Aus diesem Grund wählt Hermann Suppanz die Fässer, die er zur Nachreifung verwendet, gezielt aus. Ein Verfahren, das Zeit in Anspruch nimmt und mit einem großen Mehraufwand verbunden ist, da die Fässer erst aufwendig nach Schottland transportiert und dort mit dem vorgereiften Whisky befüllt werden müssen.

Auch bei der Nachreifung selbst steht die Qualität im Vordergrund und nicht das schnelle Resultat. So durfte der hier vorgestellte Glentauchers, der im Jahr 2008 destilliert wurde, nach fünf Jahren in einem ex-Bourbonfass noch ganze drei Jahre in einem Nicaragua Rumfass nachreifen. Im Sommer 2016 wurde der Single Malt dann im Alter von acht Jahren abgefüllt. Wie es für die Abfüllungen von Alambic Classique üblich ist, als Einzelfass und unverfälschtes Naturprodukt: ungefärbt, nicht kühlfiltriert und in Fasstärke mit 59,6%Vol.

Im Glas zeigt sich der Single Malt aus der Double Matured Serie funkelnd wie heller Bernstein, in dem sich das Sonnenlicht des Spätsommers bricht. Frisch und fruchtig steigt sein Aroma in die Nase und verbreitet einen Geruch wie von eingekochtem Aprikosenkompott, Mirabellen und grünen Äpfeln. Dahinter liegen Anklänge von Vanille, süßem Honig und eine würzige Note, die mich etwas an frischgeriebenen Ingwer, etwas Minze und Zedernholz erinnert. Die 59,6%Vol. wirken gut eingebunden. Mit der Zeit setzen sich herbe Gras- und Kräuternoten durch und verbinden sich mit dem zuckrig süßen Grundcharakter des Whiskies.

Der Geschmack ist zunächst von einer Fruchtigkeit geprägt, die mich wieder an süße Aprikosenmarmelade erinnert. Eine Prise Pfeffer lässt ein leichtes Prickeln auf der Zunge zurück. Allmählich setzt sich immer deutlicher ein Geschmack von frisch aufgebrühtem schwarzen Tee durch, der mit einigen Stückchen Kandiszucker gesüßt wurde. Sofort kommen Erinnerungen an einen extrem verregneten Sommerurlaub in Irland auf und an die wärmende Tasse Tee vor dem Torffeuer im Kamin. Die Kombination aus süßem Kandis und herbem Schwarztee prägen auch den wärmenden, mittellangen Abgang des Single Malts.

Insgesamt präsentiert sich der Glentauchers 2008 als gelungener Genuss-Whisky, dem die lange Zeit im Rumfass interessante Facetten verliehen hat, ohne den Single Malt zu sehr zu dominieren. Ein ausgewogener Whisky mit einer tollen Qualität und einem immer noch fairen Preisleistungsverhältnis. In der Whisky Lounge Heroldsberg ist der auf 272 Flaschen limitierte Glentauchers 2008 für etwa 65 Euro zu bekommen. Mit diesem im Nicaragua Rumfass nachgereiften Single Malt beweist Alambic Classique, dass auch junge Whiskies etwas bieten können.

Patrick

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